Dexter und die Weide

 
 
 

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Die Dexterrinder
Warum gibt es eigentlich so kleine Kühe und wozu sind sie gut?

Um 1840 hat ein Mr. Dexter in Irland diese kleinen Kühe erzüchtet, die es in den Farben schwarz, dun und rot gibt, um es den damals sehr armen irischen Kleinbauern zu ermöglichen auf wenig Weide zumindest für den Eigenbedarf Milch und Fleisch zu erzeugen.
Auch heute noch sind sie dafür vorzüglich geeignet. Sie kommen mit Gras im Sommer, und Heu im Winter aus - und werden dabei schier und rund. Da die Dexterkuh ein Zweinutzungsrind ist, gibt sie auch noch gut Milch, aus der man Butter und Käse für die Familie herstellen kann. Sie können auch auf geeigneten Böden das ganze Jahr draußen gehalten werden, dann aber mit einem Unterstand gegen starken Regen und Sonne. Das so natürlich gewachsene Fleisch eines Dexterbullen schmeckt vorzüglich und ist eine Wahre Gaumenfreude.

 

Informationen zur Haltung von Dexterrindern

Die Dexter und die Weide

Nun mag man glauben , die Weideperiode sei die leichteste im Jahr: einfach Kuh aufs Gras und Selbstbedienung - fertig. Nur vergißt man dabei, daß die Rinder nicht mehr durch Wälder und Auen streifen und sich nach Belieben bedienen , sondern auf einer abgezäunten Fläche eingesperrt sind. Haben sie zuviel Fläche zur Verfügung, wächst ihnen das Gras über den Kopf, haben sie zuwenig, werden sie nicht satt. Die Kunst , immer ausreichend weidereifes Gras die gesamte Weideperiode über zur Verfügung zu haben , nennt man Weideführung. Das natürliche Sommerfutter ist im Regelfall gar nicht so natürlich. Die Urkuh fand nie reine Grasbestände vor, sondern ein Gemisch von trockenem vorjährigem und durchwachsenem jungen Gras . Kennzeichnend ist die Vorliebe der Dexter für Wegränder und Grabenböschungen. Sehr junges Gras ist nicht weidereif, hat zuviel Eiweiß und wenig Rohfasergehalt. Füttert man kein Heu oder Stroh dazu, muß man mit Durchfällen rechnen. Bei den Weidegräsern unterscheidet man in Ober- und Untergräser. Die Obergräser wachsen hoch und bringen mit ihrer Stengelmasse den wichtigen Rohfaseranteil ins Futter. Die Untergräser bilden praktisch die Unterwolle, bringen mit viel Blattmasse gutes Futter und sind bei der Weidenutzung von großer Bedeutung. Dazu kommen wertvolle Futterkräuter, die durch ihren Mineralstoffgehalt und ihren hohen Nährstoffgehalt zur Komplettierung der Weideration beitragen. Wertvolle Gräser und Kräuter sind z.B. Glatthafer, Knaulgras, Wiesenlieschgras, Wiesenschwingel, Wiesenfuchsschwanz, Rotschwingel, Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe, Goldhafer, Weißes Straußgras, Weißklee, Gelbklee, Wiesenrotklee, Löwenzahn, Wiesenkerbel, Schafgarbe und Spitzwegerich. Diese Gräser und Kräuter sollten in einer guten Mischung vorhanden sein. Vorsicht ist bei zu viel Klee geboten, da sie durch ihren sehr hohen Eiweißgehalt zu Verdauungsproblemen führen können. Daneben gibt es einige Gräser und Kräuter, die man auf der Weide nicht gerne sieht. Auf nassen Wiesen treten Binsen und Seggen, auf trockenen die Rasenschmiele auf. An Kräutern sind Disteln, Brennesseln, Storchschnabel, Herbstzeitlose, Großer Ampfer und Sauerampfer zu nennen. Diese Pflanzen werden von den Tieren gemieden und verderben zum Teil die ganze Weide. Abgemäht und leicht angewelkt wird noch ein Teil dieser Pflanzen von den Dextern gefressen. Giftstoffe befinden sich in folgenden Pflanzen - Herbstzeitlose, in Hahnenfußarten, im Sumpfschachtelhalm, im Wiesenschaumkraut, im Ruchgras, im Adlerfarn und im Weißen Steinklee. Erkrankungen treten auf, wenn größere Mengen an Giftpflanzen auf einmal oder geringe Mengen über längere Zeit aufgenommen werden Einige dieser Giftstoffe, wie z.B. das der Hahnenfußarten zerfällt bei der Trocknung ( Heu) in ungiftige Bestandteile.

Besatzdichte

Eine Dexterkuh mit Kalb benötigt je nach Bodenbeschaffenheit und Grasaufwuchs 0,2 - 0,3 ha, auf 1 ha können also 3 - 5 erwachsene Tiere gehalten werden. Es gibt mehrere Möglichkeiten der Weidenutzung. Zum einen die Standweide, auf der die Tiere die ganze Weideperiode gehalten werden, die Mähstandweide, wo der Grasüberschuß im Mai/Juni durch Heuwerbung abgeschöpft wird und der Portionsweide mit wöchentlicher Futterflächenzuteilung von ca. 350 - 600 qm . Sinnvoll sind 2 - 3 Weideflächen um Pflegemaßnahmen wie düngen und Geilstellen abmähen in Ruhe durchzuführen. Auch der Graswuchs hat Zeit sich zu erholen. Natürlich müssen die Weiden eingezäunt sein. Bei den Dextern haben sich zwei stromführende Drähte in ca. 50 und 90cm bewährt die an stabilen Weidezaunpfählen mittels Isolatoren befestigt werden. Innerhalb der Weidefläche kann mit Kunststoffstangen und Elektroband die Fläche portioniert werden. Der Außenzaun sollte auf alle Fälle stabil und ausbruchsicher sein.

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Das Dexterrind und die Fütterung

Das Dexterrind gehört wie alle Rinderrassen zu den Wiederkäuern , die Verdauungsorgane sind völlig anders als bei Schwein , Pferd oder uns Menschen. Ihre Funktion befähigt das Rind, selbst Futtermittel, die ein Schwein nur noch als Einstreu benutzen würde, in Milch und Fleisch umzusetzen. Es beginnt mit dem eigenartigem Gebiß des Rindes , es besitzt nämlich im Oberkiefer keine Schneidezähne, sondern eine Hornplatte. Damit kann es nicht das Gras abbeißen wie z.B. ein Pferd, sondern es zieht sich mit Hilfe der langen, rauhen Zunge ein Grasbüschel heran und reißt es ab. So rupft es sich das Maul voll und schluckt das Gras runter. Das abgeschluckte Futter gelangt über die Speiseröhre nicht in den Magen, sondern wird erst vorbehandelt . Die Speiseröhre hat nämlich gewaltige Ausstülpungen, die sogenannten Vormägen: Pansen , Netzmagen oder Haube und Blättermagen oder Psalter. Der Pansen ist im Grunde eine mächtige Gärkammer und hat das erstaunliche Volumen von ca. 120 - 150 l beim Dexterrind. Er ist durch Einschnürungen in mehrere Abteilungen aufgeteilt und kann immerhin 20 - 40 kg Futter aufnehmen. Nur , Drüsen wie in Magen und Darm enthält der Pansen nicht. Das Rind bedient sich einfach anderer Lebewesen, um die schwerverdauliche Pflanzenmasse aufzuschließen. Milliarden von Bakterien und Einzellern bevölkern den Pansen. Damit diese effektiver arbeiten können, erleichtert das Rind ihnen die Sache. Da es beim Fressen wenig Zeit zum Kauen hatte, legt es sich erstmals zu Ruhe. Es schaut einen Augenblick träumerisch in die Gegend - und flupp, plötzlich hat es wieder dicke Backen und beginnt zu kauen : es käut wieder. Bereits von Bakterien angegriffene Pflanzenteile werden durch einen Reflex ins Maul zurück befördert und genüßlich zu einen feinen Brei zerrieben. Dabei fließt Speichel in gewaltigen Mengen, vielmehr noch als schon beim Fressen. Ein Dexterrind mit richtiger Fütterung produziert pro Tag die unglaubliche Menge von ca. 130 l Speichel. Dieser hat nicht nur die Aufgabe, das Futter gut rutschen zu lassen, er ist auch stark alkalisch ( PH 8 - 8,5 ) und neutralisiert die von den Bakterien produzierten Säuren im Pansen. Deshalb ist Futter, auf dem es ordentlich kauen muß, strukturiertes Futter, für das Rind lebenswichtig. Das Futter wird im Maul mit 50 bis 60 Kauschlägen in der Minute durchgekaut und wieder abgeschluckt. Das Wiederkäuen macht etwa ein Drittel des Tageslaufes eines Dexterrindes aus, etwa die gleiche Zeit, die es auch zum Fressen braucht. Im Pansen unterdessen sind die Bakterien fleißig an der Arbeit. Ein Großteil der Nahrung , bei Stroh sogar 40% bestehen aus der für Nichtwiederkäuer weitgehend unverdaulichen Zellulose. Kein Verdauungsferment ist in der Lage, Zellulose zu spalten und damit verdaulich zu machen. Nur Bakterien haben solche Fermente. Durch wellenförmige Zusammenziehung stürzt der Panseninhalt über die unteren Einschnürungen und wird gründlich durchgemischt. Mit dem Stethoskop hört es sich an, als würde ein altes Klo abgezogen. Fehlende Pansenbewegungen deuten ebenso wie fehlendes Wiederkäuen auf eine ernsthafte Störung hin. Den Bakterien gelingt es zu 50 - 60 % aus der Zellulose Kohlenhydrate zu gewinnen. Eine andere Gruppe stürzt sich nun auf die Kohlenhydrate Stärke und Zucker und werden im Stoffwechsel zu Blutzucker. Neben der Rohfasernutzung läuft im Pansen noch ein dritter bakteriell gesteuerter Vorgang ab, nämlich die Eiweißsynthese. Die Bakterien bauen von dem pflanzlichem Eiweiß ca. 70 % ab, so daß nur noch Ammoniak übrigbleibt., diesen benutzen sie dann als Stickstoffquelle für ihren Körpereiweißaufbau. Sie fressen Kohlehydrate und Ammoniak und wachsen dabei prächtig- wenn ausreichend Kohlehydrate vorhanden sind. Ist einmal in der Nahrung nicht genug Eiweiß vorhanden, kann das Rind den Harnstoff, statt ihn über die Niere auszuscheiden, über den Speichel in den Pansen zurückführen und ihn für die Bakterienproteinsynthese nutzen. Sogar auf dem Vitaminsektor ist das Rind weitgehend Selbstversorger. Vitamin B wird im Pansen aufgebaut, Vitamin C in der Leber und Vitamin D in der Haut, sofern das Dexterrind in der Sonne herumläuft. Man kann meinen, bei einem solch feinen Apparat könnte nichts schiefgehen. Es kann schon. Wie erwähnt, produzieren die Bakterien eine Menge Säuren, diese hemmen aber die Bakterientätigkeit. Die Pansensäuren müssen also abgepuffert werden, daß der Säuregrad im Pansen fast neutral ist. Dieses geschieht durch den Speichel. Bei hochverdaulichen, schnell abbaubaren Futtermitteln wie Getreide und Kraftfutter geschieht die Säureproduktion sehr schnell, das Rind braucht auch bei solchem Futter wenig zu kauen , also fließt auch zuwenig Speichel und schon haben wir den Salat ! Deshalb ist gut strukturiertes Futter wie Heu für einen Wiederkäuer lebenswichtig. Nun zur Futterberechnung - wir Menschen kümmern uns nur um die " Kalorien " wenn wir feststellen , daß uns der Anzug nicht mehr paßt oder das Kleid kneift, aha wir müssen abnehmen. Auch in der Rinderfütterung werden " Kalorien " gezählt . 1982 wurde zur Berechnung der Futtermenge das NEL - System eingeführt, welches auf die Arbeiten von Nehring aus Rostock zurückgeht. NEL heißt Nettoenergie Laktation . Die Recheneinheit ist das Joule, und damit man nicht so viele Nullen zu bewältigen hat, nimmt man das Megajoule Was heißt aber Nettoenergie ? Die Kalorien oder Kilojoule, die man bei der Nährstoffberechnung des Menschen benutzt, umfassen die gesamte in der Nahrung enthaltene Energie, also die Bruttoenergie. Da die menschliche Nahrung in der Regel hochverdaulich ist, ist der Fehler dieser Berechnung nicht allzu groß. Beim Rind hat man sehr unterschiedlich verdauliche Futtermittel. Getreideschrot hat fast 90% Verdaulichkeit, Stroh dagegen nur etwa 50%.Der unverdauliche Anteil bleibt im Kot zurück. Das genannte Beispiel von Getreideschrot und Stroh zeigt schon, daß die Bruttoenergie beim Rind nicht sehr aussagekräftig ist Nach Abzug der unverdaulichen Bestandteile bleibt verdauliche Energie übrig, etwa 60% dieser umsetzbaren Energie wird für den Stoffwechsel verarbeitet. Bei Stroh bleiben von 17 Bruttoenergie 3,1 MJ übrig, Getreide hat etwa die gleiche Bruttoenergie, es bleiben aber 7 MJ übrig. Für den Erhaltungsbedarf benötigt eine 300 kg schwere Dexterkuh täglich durchschnittlich 22,3g NEL und 335 g Rohprotein, aus der Trockenmasse berechnet. Für besonderen Leistungsbedarf z.B. um 1 l Milch zu produzieren zusätzlich 0,65 g NEL und. 20,5 g Rohprotein.

Die Gehalte der einzelnen wichtigsten Futtermittel entnehmen Sie bitte der Tabelle.

Nährstoffgehalte einiger wichtiger Futtermittel in g/kg

Futtermittel Trockensubstanz in Frischsubstanz in Trockensubstanz
  Rohprotein Rohfaser MJ NEL Rohprotein Rohfaser MJ NEL
Heu 850 81 264 4,2 95 310 4,9
Heu mittel 850 94 230 4,7 110 270 5,5
Massenrüben 110 10 10 0,8 90 80 7,4
Gehaltsrüben 140 11 10 1,1 80 70 7,9
Weidegras weidereif 160 29 35 1,1 180 280 7,0
Grassilage gut 300 51 72 1,8 170 240 6,1
Grassilage mittel 300 45 84 1,7 150 280 5,6
Maissilage 310 26 59 2,0 85 190 6,6
Stroh 860 30 387 3,0 35 450 3,5
Gerste 870 103 57 7,7 118 65 8,8
Hafer 870 113 104 6,2 130 120 7,1
Weizenkleie 880 143 113 5,4 516 67 8,1
Trockenschnitzel 900 108 153 6,9 120 170 7,7

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Im Sommer sollte eine Dexter mit dem Weidegang genügend versorgt sein , schließlich frißt sie pro Tag 35 - 50 kg Gras. Weidereifes Gras ist ein vollwertiges Futter mit hohem Vitamin-A-Gehalt und ausreichend hohem Mineralstoffgehalt, nur Natrium muß über einen Leckstein angeboten werden. Auf Mineralstoff armen Böden , wie es bei moorigen und anmoorigen gegeben ist, darf eine Mineralstoffversorgung z.B. über einen Leckstein ( bewährt hat sich eine Leckschale von der Fa. Salvana, wo die Mineralien in Sirup ähnlicher Masse angeboten wird) notwendig sein. Im Herbst und Winter ist eine erwachsene Dexterkuh mit 4 - 5 kg Heu und z.B. 300g Trockenrübenschnitzel pro Tag. ausreichend versorgt,. Wichtig ist eine Grundfutterration mit hohem Rauhfutteranteil. Bei der Winterfütterung dürfen wir die Mineralstoffversorgung nicht außer Acht lassen. Vielleicht ist die Mineralstofffrage in der Vergangenheit etwas überbewertet worden, aber der Bedarf muß nach wie vor gedeckt sein. Mineralstoffe sind keine Wundermittel, sondern anorganische Stoffe, von denen der Körper eine bestimmte Menge braucht. Ein Teil davon ist in den Futtermitteln enthalten, der Rest muß in Form von Mineralstoffmischungen gegeben werden. Die wichtigsten Mineralstoffe für das Dexterrind sind Kalzium, Phosphor, Natrium und Magnesium. Dazu kommen die Spurenelemente Zink, Kupfer und Mangan. Die übrigen, in der menschlichen Ernährung wichtigen, bringen bei Rindern in der Regel keine Probleme. Eine 300 kg schwere Dexterkuh braucht 12,5 g Kalzium und Phosphor pro Tag zur Erhaltung, dazu 4,5 g Natrium.

Mineralstoffgehalt einiger wichtiger Futtermittel in g/kg

Futtermittel Trockensubstanz in Frischsubstanz in Trockensubstanz
  CA P NA CA P NA
Heu mittel 850 5,1 2,6 0,9 6,0 3,0 1,0
Heu gut 850 5,1 2,6 0,9 6,0 3,0 1,0
Massenrüben 110 0,3 0,3 0,4 2,5 2,5 3,3
Gehaltsrüben 140 0,4 0,3 0,6 2,7 2,4 4,0
Grassilage 300 1,8 1,0 0,3 6,0 3,5 1,0
Maissilage 310 0,8 0,8 0,1 2,7 2,6 0,2
Weidegras 160 1,0 0,6 0,2 6,0 3,5 1,0
Stroh 860 2,6 0,7 1,1 3,0 0,8 1,3
Gerste 870 0,6 3,5 0,7 0,7 4,0 0,8
Hafer 870 1,0 3,0 0,3 1,2 3,5 0,4
Trockenschnitzel 900 7,9 0,8 3,2 8,8 0,9 3,6
Weizenkleie 880 1,6 11,4 0,4 1,8 13,0 0,5

Niederträchtige Kühe sollte man verhalten füttern, setzt die Kuh zuviel Fett an, hat sie Probleme mit der Geburt oder wird gar nicht erst tragend. Man sagt " das Auge des Züchters füttert mit ".Die Kälber sollten bei der guten und reichhaltigen Milch der Mamas im Normalfall ausreichend versorgt sein, sie knabbern schon nach wenigen Tagen am Heu und kosten auch schon das Gras. Nach dem Absetzen sollte verhalten ein wenig ernergiereiches Futter angeboten werden. Zuviel des Guten geht meist auf Kosten des Skelettes, die Kälber sollen falls sie für die Zucht bestimmt sind , nicht gemästet werden. Wichtig ist im Sommer und im Winter eine ausreichende Wasserversorgung. Ein Dexterrind säuft am Tag durchschnittlich 30 - 40 l, dieses sollte immer frisch und sauber sein. Tränken aus Bächen und Gräben ist nicht zu empfehlen. Es gibt einige Futtermittel, die gefährlich werden können, wenn von ihnen zuviel gefüttert werden. Richtig gefährlich sind solche , die die Pansengärung durcheinanderbringen. Zum Beispiel große Mengen Äpfel ( wenn die Dexterrinder auf einer Streuobstwiese grasen können) schädigen mit ihrer Säure die Pansenflora und führen zu heftigen Durchfällen. Einige Futtermittel können zu Blähungen des Pansen führen (aufblähen). Dies sind vor allem junger Klee und stark gedüngte Zwischenfrüchte z.B. Rüben. Verdorbenes und verschimmeltes Futter sollten tunlichst nicht gegeben werden, auch gefrorenes Futter gehört nicht auf den Speiseplan eines Dexterrindes.

Höchstmengen einiger Futtermittel je Tag

Futterrüben 25 kg
Zuckerrüben 5 kg
Trockenschnitzel 2 kg
Kohlrüben 10 kg
Stoppelrüben 20 kg
Mohrrüben 15 kg
Raps 15 kg
Kartoffeln 5 kg
Bohnenschrot u.Erbsenschrot 20 % des Kraftfutters
Melasse 0,5 kg
Maissilage 12 kg

Zusammenfassend hier noch einmal die Grundsätze für eine tiergerechte Fütterung :
1. Wiederkäuergerechte Fütterung, also Beachtung der besonderen Ansprüche hinsichtlich Rohfaser und Struktur des Futters.
2. Leistungsgerechte Fütterung, also Erfüllung der Bedarfsnormen für Energie und Protein, keine Unterversorgung, aber auch keine Überversorgung !
3. Ausreichende Mineral- und Wirkstoffversorgung, also Erfüllung der Bedarfswerte, wobei Unterversorgung genauso schädlich ist wie hohe Überversorgung, besonders bei Kalzium( bei Vitamin-A armen Futtermitteln, wie Maissilage, muß auch die Vitaminversorgung im Auge behalten werden.)

Praktische Meßhilfen damit die Futtermenge auch stimmt :

Futtergabel Heu, fest gedrückt
5
kg
  Stroh, Locker
1,5 - 2
kg
  Heu, locker
3
kg
Hochdruckballen Heu
15
kg
  Stroh
11
kg
Rundballen Heu
350-400
kg
  Stroh
250-300
kg
Schubkarre (90l Wanne) Gras
65
kg
  Grassilage
100
kg
  Maissilage
45
kg
  Futterrüben, ganz
60
kg
1 Handschaufel Getreideschrot
700-900
g
  hofeigene Mischung
900-1000
g
20l Eimer Getreideschrot
14
kg
  pelletiertes Mischfutter
15
kg
  hofeigene Mischung
14
kg
  Trockenschnitzel
15
kg

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Die Unterbringung des Dexterrindes und was noch dazu gehört

Rinder fühlen sich am Wohlsten bei Temperaturen von 0 - 20 Grad, das einzige was sie nicht besonders schätzen ist Zugluft und Dauerregen. Das Dexterrind kann ganzjährig auf der Weide gehalten werden. Natürlich mit gewissen Einschränkungen : der Boden muß wasserdurchlässig sein, in Schlamm und Matsch fühlt sich kein Tier auf Dauer wohl. Am ehesten eignet sich die ganzjährige Außenhaltung daher auf Sandboden. Bei Moorboden zum Beispiel , würde die Grasnarbe im Herbst und Winter zertreten, dieses kann auch auf Sandboden geschehen, vor allem an der Futterstelle und im Tränkbereich. Diese Bereiche sollten nach Möglichkeit befestigt sein oder müssen von Zeit zu Zeit verlegt werden. Auf alle Fälle muß dem Dexterrind ein Unterstand angeboten werden, das heißt ein an drei Seiten geschlossener Offenstall, wo das Dexterrind vor Dauerregen und zu großer Hitze Schutz finden kann. Pro Dexterkuh ist eine Stallfläche von 3 qm vorzusehen. Der Stallboden sollte befestigt sein z.B. Beton oder Pflaster und mit Stroh eingestreut sein. Nach Möglichkeit sollte das Futter im Offenstall vorgelegt werden, auf genügend Fressplätze, die mit einem Fressgitter abgeteilt sind , ist zu achten , so daß alle Tiere gleichzeitig fressen können. Soll das Futter außerhalb des Offenstalles gereicht werden , empfiehlt sich eine Rundraufe mit Dach. Probleme kann es im Winter mit der Wasserversorgung geben, die Tränke muß frostfrei abgesichert werden., ansonsten muß zweimal am Tag Wasser in Wannen ( große Maurerbaljen ) angeboten werden. Natürlich kann das Dexterrind im Herbst nach der Weideperiode auch aufgestallt werden. Hierzu bietet sich ein mit Stroh eingestreuter Laufstall an, wobei man wieder pro Tier mindestens 3 qm Stallfläche berechnen sollte. Bei der Anbindehaltung ist darauf zu achten , daß die Liegefläche nicht zu lang ist, da sonst der Kot nicht in die Kotrinne fällt und das Dexterrind sich mit demselben fürchterlich beschmutzt. Wie wir nun schon bemerken konnten frißt das Dexterrind nicht nur, sondern es macht auch Mist ! Also benötigt man zum Einen Lagerraum für die Futtermittel und einen Lagerplatz für den Mist. Im Laufstall benötigt man pro Dexterrind und Tag 5 - 6 kg Stroh. Streut man weniger, entwickelt sich der Laufstall schnell zum Schlammbad, denn der Kot ist sehr wasserhaltig und außerdem scheidet das Dexterrind etwa 15 Liter Harn pro Tag aus. In der Anbindehaltung kommt man mit weniger Stroh aus , ca. 1,5 kg. Den Mist muß man natürlich auch lagern können, also benötigen wir einen Platz für den Misthaufen. Der Misthaufen sollte bei einer Lagerhöhe von 2,5 m pro Dexterrind 1,2 - 1,5 qm betragen. Eine kleine Umfassungsmauer, an einer Seite offen, etwa 1 m hoch und 0,25 m stark, erleichtert das Stapeln.

Nun zum Raumbedarf der Futtermittel :

 
1 dt. umfaßt (m³)
1 m³ wiegt (kg)
Heu (Ballen)
0,63
160
Stroh (Ballen)
1,33
75
Rüben
0,14
700
Grassilage
0,18
550
Getreide
0,15
650

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Geräte

Die Mindestausstattung besteht aus einer dreizinkigen Gabel für Heu und einer vierzinkigen für Mist und Einstreu. Dazu kommt eine Schubkarre und eine vorn gerade Schaufel. Zum Füttern von Getreide braucht man einen Eimer und eine kurze Handschaufel. Für das Dexterrind benötigt man zum Anbinden noch ein Halsband oder Halfter und auch Stricke kann man nie genug haben. Für die Körperpflege eignen sich Striegel und Kardärtsche wie sie auch für Pferde zum Putzen verwendet werden. Eine Sense oder Motorsense wird für die Weidepflege benötigt. Der fortgeschrittene Dexterhalter wird bald nach Möglichkeiten der Arbeitserleichterung suchen. Ein kleiner, gebrauchter Schlepper mit Mähwerk und einem kleinen Einachsanhänger erleichtern Transport, Futterbergung und Weidepflege. Wer versucht, nur mit Muskelkraft alle anfallende Arbeiten zu erledigen, wird nach ein paar Wochen wieder an den technischen Fortschritt glauben!

Die Gesundheit- und Vorsorge beim Dexterrind

Der Begriff " Gesundheit" läßt sich nur schwer durch die Aufzählung einzelner Merkmale hinreichend erläutern. Nur die Beachtung des Gesamtbildes, die Beobachtung des Zusammenspieles aller Funktionen lassen ein Urteil über den Gesundheitszustandes eines Dexterrindes zu. Da das Dexterrind nicht imstande ist, uns eine Störung seines Wohlbefinden mitzuteilen, ist eine sorgfältige Beobachtung aller Lebensäußerungen und besonders aller Abweichungen vom normalen Verhalten für uns von größter Bedeutung. Die Futteraufnahme erfolgt beim gesunden Dexterrind mit gutem Appetit und ohne Zögern, nach der Futteraufnahme wird bald mit dem Wiederkäuen begonnen. Der Ernährungszustand soll derart sein , daß bei ausreichender und ausgeglichener Fütterung die Körperformen durchweg abgerundet erscheinen. Die Haut des gesunden Dexterrindes ist weich, elastisch und glatt. Die äußere Körpertemperatur soll an der ganzen Körperoberfläche gleich sein, lediglich Ohren, Hörner und Füße fühlen sich meist etwas kühler an. Das Haarkleid des gesunden Dexterrindes ist geordnet, die einzelnen Haare sind glatt und glänzend. Die Körperhaltung des ruhenden Dexterrindes soll eine gewisse Gelöstheit und behäbige Ruhe widerspiegeln; das nicht ruhende Dexterrind trägt Hals und Kopf aufrecht und zeigt in allen Bewegungen Ungezwungenheit, Frische und Lebendigkeit. Das gesunde Dexterrind beobachtet mit Interesse alle Vorgänge in seiner Umgebung. Der Blick ist dabei frei, das Auge klar und lebhaft. Der Kot- und Harnabsatz soll leicht und regelmäßig erfolgen, der Kot nicht zu dünn ( Kuhfladen) sein, keine Farbveränderungen und keinen fremdartigen Geruch haben. Die Pulszahl schwankt bereits unter normalen Verhältnissen. Eine erhebliche Steigerung tritt z.B. durch zunehmende Bewegung, durch Erregung. Durch erhöhte Außentemperaturen und mit dem Fortschreiten der Trächtigkeit ein. Die Atmung soll regelmäßig , ruhig und ohne Beschwerden erfolgen. Bei zunehmender körperliche Anstrengung des Dexterrindes tritt eine Beschleunigung ein , jedoch muß diese nach einiger Ruhezeit wieder verschwinden. Die innere Körpertemperatur unterliegt ebenfalls physiologischen Schwankungen. So ist sie im allgemeinen morgens am niedrigsten und abends am höchsten. Bei hochträchtigen Dexterkühen, bei hoher Außentemperatur und starker Bewegung ist sie etwas erhöht. Diese Schwankungen liegen jedoch im Bereich von Zehntelgraden. Eine stärkere Erhöhung nennt man Fieber. Dabei ist zu beachten, daß das Fieber grundsätzlich keine selbständige Krankheit ist, sondern immer Ausdruck einer Abwehrreaktion des Körpers ist. Die innere Körpertemperatur wird im After gemessen.

Normalwerte beim Rind

  Körpertemperatur °C Puls Atmung
    Schlag/min Atemzüge/min
Kalb 38,5 - 39,5 90 - 105 30 - 50
Jungrind 38,0 - 39,5 80 - 90 25 - 30
Kuh 37,9 - 38,5 50 - 70 18 - 28

Ein Buch über Rinderkrankheiten , womöglich farbig bebildert, liest sich wie Frankensteins Hauspostille. Man möchte meinen, es gäbe überhaupt kaum ein gesundes Tier, so viele Krankheiten sind möglich. In Wirklichkeit ist das Rind , und besonders das Dexterrind ein relativ widerstandsfähiges Haustier , und Gesundheit ist der Normalzustand.

Die Gesundheitsvorsorge dürfen wir aber nicht außer Acht lassen.
Immer wieder zu schaffen machen einem die Außen- und Innenparasiten, daß heißt verschiedene Wurmarten ,Läuse, Haarlinge und dergleichen mehr. Daher empfiehlt es sich , im Frühjahr und im Herbst vorsorglich das Dexterrind durch entsprechende Präparate , z.B. Ivomec im Aufgussverfahren über den Rücken zu behandeln. Die Anwendung ist einfach und hat sich bewährt. Die Klauenpflege darf nicht vernachlässigt werden , ansonsten muß mit Stellungsfehlern und folgenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen gerechnet werden. Durch den Tierarzt des zuständigen Veterinäramtes erfolgen regelmäßige Untersuchungen auf Brucellose, Leukose und IBR. Bei artgerechter Haltung und Fütterung des Dexterrindes, unter Beachtung der oben aufgeführten Punkte werden sich die Dexterrinder bester Gesundheit erfreuen.

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Der Umgang mit den Dexterrindern

Um das Dexterrind verstehen zu können, müssen wir etwas über die Verhaltensweise der Rinder wissen. Dexterrinder sind Herdentiere, also Sozialwesen. Bei Einzelhaltung sollte man dies berücksichtigen und für Gesellschaft sorgen. Das kann ein Pferd, Pony , Schaf oder Ziege sein. Durch die Domestikation hat das Rind viel von seinem ursprünglichen Temperament verloren, dennoch ist viel von der Verhaltensweise der Wildrinder übriggeblieben und wir können für den Umgang und Haltung sehr viel daraus ableiten. Die Lautäußerungen haben sich wahrscheinlich am wenigsten verändert. Zwei normale Laute werden unterschieden: einzelnes , hohes Muhen und tiefes , lautes Muhen aus voller Brust. Schmerzäußerungen gehen vom tonlosen Stöhnen bis zum Brüllen vor Schmerz über. Die Bewegungungen sind in der Regel gemessen und behäbig, schon Homer sprach vom schwerwandelnden Hornvieh. Doch sie können auch anders. Besonders der Weideaustrieb veranlaßt sogar alte Dexterdamen zu den albernsten Bocksprüngen. Und wenn sie diese Aktion noch in Nachbars Garten ausführt, ist ein Telefongespräch mit der Haftpflichtversicherung angebracht. Wie wir schon erfahren haben, ist das Dexterrind ein Herdentier und lebt in einem sozialen Verband. Untereinander herrscht eine gewisse Rangordnung. Das Dexterrind begrüßt seine Kollegen mit ausgestreckten Hals und tief gehaltenem Kopf. Das ist Demut- und Freundschaftsgeste. Dabei werden wir als Menschen der Einfachheit halber auch als Rindvieh begrüßt. In dieser Haltung kann das Dexterrind gut die Geruchsidentifikation durchführen. Erweist sich der Mensch als fremd, werden erst einmal schleunigst einige Schritte rückwärts gemacht. Der unmittelbare Fluchtradius ist gut ein Meter. Das stellt man auch beim Einfangen fest. Nur gute Freunde , und das können auch Menschen sein , dürfen diese Distanz unterschreiten. Von einem Dexterzüchter, der einer Kuh auf der Weide um den Hals fassen oder sie am Halsband fortführen kann, kann man sagen, daß seine Dexter Familienanschluß haben. Nachdem klar ist, daß das Dexterrind ein Herdentier ist, hat derjenige die meisten Chancen, Sympathie zu erwerben, der in seinen Augen Herdenmitglied ist. Das bedeutet häufigen Kontakt, auch wenn es mal nichts bei den Tieren zu tun gibt. Es gibt nichts wilderes als Rinder, welche ohne menschlichen Besuch den Sommer über auf eine abgelegenen Weide zugebracht haben. Will man so ein Rind einfangen, so ist der Effekt mindestens mit einem 5 km Jogging vergleichbar. Das Geheimnis besteht darin, jeden Tag , ob Sonne, ob Regen ,die Rinder zu besuchen und in einem Eimer ein paar " Leckerli " mitzubringen. Dann umdrängen einem die Rinder wie Kinder die heimkehrende Mutter. Beim Einfangen eines Dexterrindes sollte man sich betont langsam bewegen und beruhigend mit ihm reden. Die beruhigend redende Stimme wird vom Rind emotional bewertet ; es hat dann den Eindruck, daß ihm z.B. nichts gefährliches droht. Damit man wie ein ernst zunehmendes Hindernis wirkt, sollten die Arme ausgestreckt werden. Das Dexterrind wird ruhig, eventuell mit seinen Herdengenossen, wenn vorhanden, in eine Ecke getrieben, die man als Fangecke ausgestattet hat. Angriffe hat man eigentlich nur zu fürchten, wenn eine Dexterkuh mit Kalb und wenig Menschenkontakt auf der Weide läuft. Aber so ein Angriff wird in der Regel deutlich angekündigt und zumeist nicht ausgeführt. Hat man das Rind schließlich am Halsband oder Halfter, so ist bei einem ungewöhnten Rind noch lange nicht alles gewonnen. Das es da gelegentlich zu kleinen Blessuren kommen kann, hat zwei Ursachen; Erstens sind viele Dexterhalter sportliche Menschen, die eine gewisse kämpferische Auseinandersetzung mit ihren vierbeinigen Freunden nicht scheuen , und zweitens werden Schnelligkeit und Kraft oft unterschätzt. Die einzige Kopfhaltung wo das Dexterrind nicht seine Kraft zur Entfaltung bringen kann , ist seitlich nach unten. Durch einige Ehrenrunden auf der Stelle kann man es von der Sinnlosigkeit der Fluchtversuche überzeugen. Schon als Kalb sollte das Anbinden und auch das Führen am Strick geübt werden. Sind die Dexterrinder das Gehen am Halfter gewohnt, gehen sie meist wie ein Hund an der Leine. Selbst der Bulle macht dann beim Führen wenig Umstände, nur sollte man ihn mit einer Führstange im Nasenring auf Distanz halten ( Vorschrift)! Seine freundschaftlichen Rippenstöße halten menschliche Rippen nicht immer aus, und ist noch eine Wand auf der anderen Seite, so kann sich der menschliche Körperquerschnitt in lebensgefährlicher Weise verringern. Soll der Bulle vorübergehend irgendwo angebunden werden, so reicht ein Strick im Nasenring dafür in keiner Weise aus. Man muß schon ein festes Halsband oder Halfter verwenden. An der Nase sind natürlich alle Dexterrinder empfindlich, will man ein Rind kurz festhalten, faßt man mit Daumen und Zeigefinger in die Nasenlöcher und hält mit der anderen Hand, wenn vorhanden , das äußere Horn fest. Der Kopf muß dabei möglichst weit unten bleiben. Vom Augenverdrehen sollte man sich dabei nicht beeindrucken lassen. Für längeres Halten, etwa bei tierärztlichen Behandlungen, gibt es sogenannte Nasenzangen. Da die Kälber zu kleine Nasenlöcher haben, faßt man sie mit dem Daumen über den Unterkiefer ins Maul, dort, wo sie keine Zähne haben. An der alten Weisheit , Tiere zu erziehen mit" Zuckerbrot und Peitsche" ist natürlich einiges dran. Unsere Dexterrinder sollten aber auf alle Fälle mehr " Zuckerbrot " bekommen. In der Praxis muß man doch gelegentlich zeigen, wer in der Herdenrangfolge ganz oben steht, dazu benötigt man den " verlängerten Arm" ; Die allermeisten Rinder wissen aus Erfahrung, wie knochenhart der "Vorderfuß" eines Menschen, nämlich sein Stock , zuschlagen kann. Mit diesem klopfen wir zur Ermahnung z.B. auf die Hörner oder auf die Keulen des Rindes, falls es unseren Anordnungen nicht folgt. . Natürlich liegt hier die Betonung auf klopfen und nicht auf schlagen, denn wer einem Tier unnötige Schmerzen zufügt , macht sich der Tierquälerei schuldig. Durch den regelmäßigen und ständigen Umgang mit dem Dexterrind wissen auf der einen Seite wir, auf der anderen Seite die Dexter meistens was zu tun und zu lassen ist. Ein erwachsener Mensch hat viel Verstand und wenig Angst. Ein zweijähriges Kind sieht die Welt umgekehrt; mit wenig Verstand und viel, viel Angst. Die alte Dexterkuh und der kraftstrotzende Dexterbulle sind dem Hirn nach zweijährige Kinder. Das Können des erfahrenen Dexterzüchter besteht darin, den Tieren die Angst zu nehmen. Der Mensch kann seine Stimmung auf das Rind übertragen. Mit Worten und mit den Händen. Die Streicheleinheiten, wie man so salopp sagt, besitzen wahrscheinlich Wirkungen, die in ihrer Gänze nur von großen Könnern intuitiv erzielt werden. Ein Beispiel ist Frau Tellington-Jones, welche 1993 in einem Buch entspannende , beruhigende Streichel-Massagen für zahlreiche Tierarten veröffentlichte. Zum Wohle der uns anvertrauten Dexterrinder sollten wir daran arbeiten, unsere Tiere in ihren arteigenem Verhalten zu verstehen und behutsam in die von uns gewünschten. Bahnen zu lenken.

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Die Wirtschaftlichkeit des Dexterrindes

Als Zweinutzungsrind, das heißt Milch - wie auch Fleischproduktion , kann das Dexterrind natürlich wegen seiner geringen Größe und Gewicht gegenüber den spezialisierten Milch- und Fleischrinderrassen nicht mithalten. Seine Stärken liegen mehr in seiner Einzigartigkeit als älteste , kleinste europäische Rinderrasse, in seiner Genügsamkeit und seinem angenehmen Wesen. In den Jahren 1960 - 1970 stand das Dexterrind noch auf der roten Liste der gefährdeten Haustierrassen. Für Selbstversorger und Direktvermarkter stellt das Dexterrind eine Alternative dar, wie auch als Weidepfleger auf extensiven Grünlandflächen ( Naturschutz). Ein zweijähriger Dexterbulle hat im Durchschnitt 150 - 170 kg Ausschlachtgewicht. Das Fleisch ist feinfaserig, ganz leicht von Fettadern durchsetzt (marmoriert ) und hat einen vorzüglichen Geschmack. Eine Dexterkuh gibt im Durchschnitt 2500 kg gehaltvolle, fettreiche Milch. Durch zusätzliche Kraftfuttergaben sind Milchmengen bis zu 4200 kg möglich ( in England laut Milchkontrolle ). In der heutigen Landwirtschaft muß mit jedem Pfennig gerechnet werden und ohne Subventionen läuft da gar nichts mehr, will ich über die Wirtschaftlichkeit der Dexter mal eine ( Milchmädchen)Berechnung aufstellen: Nun habe ich einen Dexterbullen zum Schlachten, zwei Jahre lang gefüttert und kann ihn über Direktvermarktung an den Mann oder Frau bringen.

Sein Ausschlachtgewicht liegt bei 160 kg und ich bekomme pro kg DM 12,00
1.920,00
Der Schlachter arbeitet leider auch nicht umsonst, sonder will fürs schlachten und zerlegen

-240,00

haben.
Diesen Bullen habe ich 2 Jahre lang mit Gras, Heu und eventuell Kraftfutter gefüttert, habe Stroh zum
einstreuen verbraucht, mußte die Weide düngen und der Tierarzt war zwischendurch auch mal da, an
Kosten rechne ich DM 1,50 täglich
-1.095,00
da bleiben theoretisch übrig =
585,00


Meine Arbeitskraft, Gebäude und Weideflächen, Geräte, Wasser, Strom, sowie die Haftpflichtversicherung habe ich nicht berücksichtigt. Einem landwirtschaftlichen Betriebsleiter würden bei dieser Berechnung wohl die Haare zu Berge stehen. Die Voraussetzungen um Dexter zu halten An Voraussetzungen um Dexter zu halten , ist als erstes Verantwortung zu übernehmen für die in meiner Obhut befindlichen Dexterrinder, zweitens viel Liebe und Verständnis für das Mitgeschöpf Tier, drittens viel Zeit, viertens ausreichend Weidefläche und Platz, sowie eine gehörige Portion Idealismus !

 

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Dexter - gestern und heute

Die kleine Kuh mit der großen Zukunft?

Wenn wir von Irland sprechen , fallen uns als erstes die grünen, weiten Grasflächen ein , immer von einem kleinen Nieselregen versorgt. Doch Irland hat auch weite Moorflächen und unwegsame Bergregionen. Es ist ein Land, indem bis zum 19. Jahrhundert die Armut unter der Bevölkerung regierte und nicht wenige versuchten als Auswanderer in Amerika ihr Glück zu machen. Die Iren sind nicht nur durch ihren guten irischen Whiskey berühmt geworden, sondern auch durch ihre Starrköpfigkeit und ihren Stolz.

In der heutigen Zeit fällt uns zu Irland noch etwas ein, denn bei unserem alltäglichen Einkauf sehen wir in den Kühlregalen irische Butter " Kerry-Gold " , die wirklich vorzüglich schmeckt und trotz Aufbewahrung im Kühlschrank streichfähig bleibt.

Und diesen Kerrykühen haben wir es zu verdanken, das es die Dexterkühe gibt. Denn um 1840 versuchte Mr. Dexter, Verwalter auf den Ländereien des Lord Hawarden in der Grafschaft Kerry, ein sehr kleines Rind zu erzüchten, welches gleichermaßen für die Milch- und Fleischproduktion geeignet war und mit minderwertigen Futterflächen auskam, also genügsam und robust, eben die Kuh "des kleinen Mannes ".

Als Ausgangsmaterial standen ihm die heimischen Kerryrinder, eine reine Milchrasse, sowie robuste, genügsame und kleinrahmige Bergrinder zur Verfügung.
Wahrscheinlich ist Mr. Dexter von seinen Zeitgenossen belächelt worden, doch mit dem ihm eigen irischen Starrsinn verfolgte er sein Ziel. So beschwerlich dürfte sich das Erzüchten eines grasenden Meters auch nicht dargestellt haben. Man darf nicht vergessen, daß im 18. Jahrhundert auch in Deutschland die Rinderrassen nicht die Proportionen besaßen wie in der heutigen Zeit.
Eine Vogelsberger Kuh, zu dem mitteldeutschen Rotvieh zählend, wog zu der damaligen Zeit im Mittel 350 kg bei knapp 1,20 Widerristhöhe, die Milchleistung lag um 1896 bei 1500 - 2000 kg.
Die Limpurger Kuh zählte da schon zu den Schwergewichten mit 350 - 450 kg bei einer mittleren Größe von 115 - 123 cm. Auch die kleinste deutsche Rinderrasse, die Hinterwälder Kuh, die Ähnlichkeiten aufweist zu den Knochenfunden vom Keltenrind, maß damals um 1,05 - 1,15 m Widerristhöhe und brachte man gerade 250 - 280 kg auf die Waage.

So entstand ein sehr kleines, robustes und genügsames Rind, welches den Namen seines Erzüchters trug, das Dexterrind. Ob es in der Anfangzeit schon in den heutigen Farben schwarz, rot und dun vorkam, ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich werden die ersten Dexter wohl schwarz gewesen sein.

Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Engländer, bekannt als die enthusiastischen Züchter überhaupt, auf das kleine Dexterrind aufmerksam, fanden es durch seine Winzigkeit außerordentlich begehrenswert und so wechselten die Dexter von der grünen Insel 1882 , natürlich gegen einen ordentlichen Geldbetrag, nach England hinüber. Schon 1896 wurden sie auf der königlichen Ausstellung von Norwich dem staunenden Publikum vorgestellt Die Engländer waren begeistert, hatten sie nun wieder eine neue Rasse, die sie weiter züchterisch bearbeiten konnten.

1905 wurde die Dexter Cattle Society gegründet und mit viel Elan machte man sich daran , diese kleine Kuh noch kleiner zu bekommen, es galt das Motto, je kurzbeiniger, desto lieber.

Doch leider traten durch diese Selektionen schwerwiegende Probleme auf in Form von nicht lebensfähigen " Bulldogkälbern " , die im 5. - 7. Trächtigkeitsmonat verworfen wurden und mit denen das Dexterrind auch in der Gegenwart noch zu kämpfen hat. Es wird vermutet, daß dieser Fehler in einem defekten Gen liegt, der falls er von beiden Elterntieren weitergegeben wird , zum Letalfaktor ( Todesfaktor) führt. Rein statistisch kann man davon ausgehen, paart man extrem kurzbeinige Tiere miteinander, sind 50% der Nachkommen kurzbeinig, 25% langbeinig und 25% sind Bulldogkälber.

Obwohl mit diesem Makel behaftet, hielten die Engländer ihrem Dexterrind die Treue, versuchten durch gezielte Anpaarungen von lang - und kurzbeinigen Dextern den Bulldogfaktor zu minimieren, stecken bis zum heutigem Tage viel Geld in die wissenschaftlichen Untersuchungen, um dem Übel "Bulldogfaktor" auf die Schliche zu kommen.

Eine Durststrecke tat sich für das Dexterrind nach dem 2. Weltkrieg auf, als nicht nur Originalität gefragt war, sondern die Leistungen zählten. Bei aller Anstrengung und bestem Willen war dieses nicht zu bewältigen und es widerfuhr dem Dexterrind ebenso wie etlichen alten Rinderrassen, daß sie aufgrund ihrer bescheidenen Milch- und Fleischproduktion nicht mehr in der Gunst der Züchter standen.

In den Sechziger Jahren war der Bestand an Dexterrindern so rapide gesunken, daß die Rasse auf die " Rote Liste" , der vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen gesetzt wurde und Dextersperma wurde vorsorglich tiefgefroren.

Doch einige Idealisten hielten dem Dexterrind die Treue und allmählich erholte sich die Population, vermehrte sich nicht nur in England, sondern fand Anhänger in der ganzen Welt.

1970 kamen die ersten fünf Dexterrinder nach Deutschland, zu den damaligen ersten Züchtern gehörten die Zuchtstätten Taunus ( Fedorov), Ochsenwerder ( Koch ), Gienau ( Klaus ) und Hof Weide (Ehlers ). Natürlich gab es in den Anfängen der deutschen Dexterzucht einige Rückschläge, dem Bulldogfaktor wurde am Anfang noch nicht genügend Beachtung gezollt, die ersten Tiere werden wohl auch nicht die besten gewesen sein. Durch Importe aus Holland, Dänemark und England konnte man den Bestand erweitern und die Zucht weiter ausbauen . Es liegt in der Natur des Menschen , indem er auf sein Recht pocht, nur durch eigene Fehler lernt man , in Deutschland wurden die gleichen Fehler begangen wie damals in England. So sah man schlecht proportionierte, dackelbeinige Liliputkühe, auf der anderen Seite am absoluten Höchstmaß stehende Klappergerüste. Eine wohlproportionierte, im Maß stehende Dexterkuh war in den Anfängen der Dexterzucht in Deutschland noch die Ausnahme.

Durch das 1986 verhängte Importverbot von Rindern aus England wurde das vorhandene Zuchtmaterial in einschneidender Weise eingeschränkt. In dieser Zeit wurden auch Jerseys und sogar Zwergzebus mit in die Zucht der Dexter hineingenommen, welches sich auch in der heutigen Zeit noch bemerkbar macht durch eine flachere Bemuskelung und einer Übergröße der Tiere. Doch die Nachfrage nach Dexterrindern stieg beachtlich, es konnte alles als "Dexter " für gutes Geld verkauft werden, wenn sie nur klein genug waren.

Die Zahl der Züchter in Deutschland nahm mit der Zeit beachtlich zu und es wurde 1992 ein Verein gegründet, mit dem Ziel der reinrassigen Dexterzucht nach dem englischen Standard und den Erfahrungsaustausch der Dexterzüchter untereinander. Zu dieser Zeit waren in Deutschland zirka 100 Dexterrinder die in England registriert waren vorhanden, hauptsächlich waren es Nachkommen von der Taunus- und Ochsenwerderlinie ; sowie von Hof Weide, wo durch Rückkreuzungen versucht wird, die Tiere wieder dem Standardmaß anzupassen. Die Dexter boten in jener Zeit noch ein sehr uneinheitliches Bild. Um Inzuchtdepressionen entgegen zu wirken, setzte z.B. die Zuchtstätte Vom Suletal (Warneke) Dexterrinder aus Dänemark - Danmacig zurückgehend auf Knotting-England in ihre Zucht ein. In Holland experimentierte man mit dem Dahome-Rind, welches noch zierlicher und schlanker war als die Dexter.

1994 wurden einige Mitglieder des Dextervereines zusätzlich Mitglied in den deutschen Fleischrinderverbänden. Dadurch entstanden Spannungen zwischen den Dexterzüchtern , da befürchtet wurde, daß sich die Dexterzucht in Deutschland durch diesen Schritt aufspaltet, was der Rasse aufgrund ihrer kleinen Population nicht gerade dienlich ist. In den Folgejahren wurde untereinander mehr gestritten, als an einer gemeinsamen Zuchtzielverfolgung zu arbeiten.

1997 waren bei der Dexter Cattle Society in England 43 deutsche Mitglieder mit insgesamt 237 Dexterrindern registriert. In England selbst wurden 1997. 2.816 Dexter gehalten,gefolgt von 1.453 Tieren in Kanada, 1.286 in Südafrika, 1.036 in Australien, 674 in der USA, 589 in Dänemark und 8 Dexter in Schweden. Diese Tierzahlen beziehen sich auf Dexter , die dem Mutterherdbuch " Dexter Cattle Society " gemeldet, bzw. angehören.

In den deutschen Fleischrinderverbänden waren 1999 insgesamt 96 Dexter registriert. Die Zahl der Dexter in Deutschland beläuft sich im Jahre 2000 auf zirka 400 Tiere (Gesamtbestand ).

Der weiteren Dexterzucht in Deutschland wäre zu Wünschen, daß wieder die eigentliche ernsthafte Zuchtarbeit in den Vordergrund gestellt wird, züchten heißt dem Idealbild (englischem Standard ) soweit wie möglich zu entsprechen und nicht auf "Teufelkommheraus " Dexter zu vermehren , weil sie sich zur Zeit gut verkaufen lassen !

Ein solches Verhalten wurde schon für viele andere Rassen zum Verhängnis. In Zukunft werden nur die konsequent nach dem allein gültigen englischen Standard gezüchteten qualitativen guten Dexterrinder eine Chance auf dem Markt haben.

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Harzer Rotvieh

Seit Anfang Juni 2000 leben auf dem Moorhof zwei Harzer Rotvieh - Kühe, die aus der Zucht des Dr. F. Knorr aus Goslar stammen.

Das Harzer Rotvieh ist eigentlich schon ausgestorben, da es keine reinblütigen Rinder dieser Rasse mehr gibt; der letzte tiefgefrorene Harzer Rotvieh Sperma ist aus bürokratischen Gründen 1966 vernichtet worden. Das Harzer Rotvieh gehört zu der Gruppe des Roten Höhenviehs, von denen es früher verschiedene Landschläge in Mitteldeutschland gab, wie z.B. das Vogelsberger und das Wittgensteiner Rind.

Verdrängt wurden diese Rinderschläge durch die Strukturänderung in den landwirtschaft- lichen Betrieben, durch Spezialisierung auf Erzeugung nur eines landwirtschaftlichen Produktes, wie z.B. die Erzeugung von Milch. Damit einhergehend wurde auch das Futter für die Milchkühe qualitativ verbessert, so daß auf den ehemaligen Standorten der genügsamen Landschläge, die Hochleistungsrassen Frisian Holstein und Red Holstein Einzug halten konnten.

Mit diesen Rassen, die ohne weiteres bis zu 11.000 kg Milch pro Laktation produzieren können, konnte das Harzer Rotvieh nicht mithalten, es war nicht mehr wirtschaftlich. Es wurde durch Einkreuzung von Red Holstein, Dänischem Rotvieh und Angler versucht, die Milchleistung zu verbessern, was zu einem gewissen Grad auch gelang, doch an die Vorgaben der Hochleistungskühe reichten sie nicht heran.

So sind die meisten heutigen Harzer Rotvieh-Rinder ein Gemisch aus den oben erwähnten Rassen, bei dem der Blutanteil von Rotem Höhenvieh und Angler des alten Schlages überwiegen. Das Harzer Rotvieh wird von dem Verband der Harzer Rotviehzüchter betreut und ist dem Herdbuch der Angler angeschlossen, da es heute dem Angler alten Schlages zugeordnet wird.

Da wir die Milch nur für den Eigenbedarf produzieren, erschien uns diese Rasse ideal, sie gibt eine Milch , die sich durch einen sehr guten Fettgehalt und was für die Herstellung von Käse wichtig ist, durch einen hohen Eiweißgehalt auszeichnet. Und so grasen auf unseren Weiden neben den kleinen Dextern die beiden roten Harzer Damen Doreen und Doretta.

Interessierte wenden sich bitte um weitere Informationen an :
Den Verband der Harzviehzüchter
z.Hd.Dr. Küster
Teichstr. 9
37154 Northeim

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Milch, Butter und Käse von Doretta

Doretta ist eine Harzer Rotvieh-Kuh, diese Rasse ist vom Aussterben bedroht, weil die Harzer Rotvieh-Kühe nicht soviel Milch produzieren können wie die heutigen Hochleistungskühe.
Aber ihre Milch ist reich an wertvollen Inhaltstoffen , wie z.B. Fett und Eiweiß. Doretta wohnt mit ihrer Halbschwester Doreen auf dem Moorhof , zusammen mit den kleinen Dexterrindern und vielen anderen Tieren.
Da wir uns nun gerne mit vielem selbst versorgen möchten, wird nun wieder gemolken und Butter sowie Käse hergestellt.
Vor Doretta wurde eine Dexterkuh, die Tina gemolken, doch da diese Dexter gerade mal eben 1 Meter hoch sind, war das Melken mit dem Melkeimer doch etwas beschwerlich, bei der Doretta paßt er besser drunter.

Natürlich sollte die ermolkene Milch von Doretta auch vom Milchkontrollverband untersucht werden. Zum einem ist Doretta im Herdbuch für Milchkühe eingetragen und zum anderen ist es wichtig, Infor-mationen über Fett, Eiweiß, Zell- und Keimzahlen der Milch zu erhalten.

Also ran ans Telefon und den zuständigen Herrn des Milchkontrollverbandes anrufen. Auf die Frage, ob es möglich ist, auch Kühe bei dem Verband zwecks Untersuchung anzumelden, wenn man die Milch nicht an eine Molkerei liefert, sondern selber verbrauchen möchte , wurde mit ja beantwortet und sogleich erzählt, mit welchen Kosten man pro Kuh pro Monat man dabei ist. Dann die interessierte Frage , wieviel Kühe wir denn anmelden wollten. Als ich sagte , erst mal eine, denn man bezahlt nur für Kühe die auch zur Zeit Milch , war es auf der anderen Seite lange Zeit still und dann fragte er noch einmal nach der Anzahl der Kühe. Ich sagte ihm , er hätte richtig gehört, eine Kuh. Da lachte er und meinte, selbstverständlich sind sie als Kontrollverband für alle da und wenn es nur eine ist, dann ist es halt nur eine. Im Durchschnitt liegt die Herdengröße hier bei uns um 60 Milch- kühe , wir mit unserer einen Kuh bringen dann eben den Durchschnitt ein bißchen runter.

Als alle Formalitäten erledigt waren, kam einige Tage später der Milchkontrolleur , literte die ermolkene am Abend und an nächsten Morgen aus ( 23 Liter !) und nahm seine Proben.
Einige Tage später bekamen wir die Untersuchungsberichte, denen wir entnehmen konnten, daß z.B. Der Fettgehalt bei 5,22 % und der Eiweißgehalt bei 4,35 % lag. Für uns alles klar, die Harzer sind be- kannt für hohe Fett- und Eiweißgehalte.
Die Zeit verstrich, und wieder war es soweit, daß sich unser Kontrolleur zur nächsten Untersuchung anmeldete. Das erste , was er der Begrüßung sagte war: "diesmal muß ich die Milch aber besser durch- rühren, ihr habt einen viel zu hohen Fettgehalt gehabt." Gesagt, getan.

Hat aber nichts genützt, bei der nächsten Auswertung hatte Dorettas Milch 5,34 % Fett ! Ja und nun machte er sich Gedanken , fand diese Werte sehr beachtlich und immer wenn er kommt , sagt er : " Bin gespannt wie lange sie diese Milchleistung durchhält, ihr füttert doch nur Heu und Trockenrübenschnitzel, andere Kühe würden davon nur soviel Milch geben, daß man den Kaffee damit weiß machen kann."

Wollen wir es abwarten, Doretta fühlt sich wohl, alle Werte stimmen, sie gibt immer noch 18 - 19 Liter Milch mit durchschnittlich 5,18 % Fett und 4,43 % Eiweiß.

Ich entrahme die Trinkmilch in einer Rahmschüssel , denn zu viele Fettaugen auf dem Kaffee mögen wir auch nicht .
Für den Käse nehme ich meistens die Vollmilch, daraus wird dann Morzzarella, Quark, Frischkäse mit verschiedenen Kräutern gemacht und auch Käse , der mit Kräutern und Gewürzen in Öl eingelegt wird.
Auch Schnittkäse stelle ich her aus 15 - 20 l Milch. Die Freunde und Nachbarn sind von allen Käsesorten begeistert, nur Hermann wartet immer noch auf seinen " Gouda jung ", den bekomme ich noch nicht ganz so hin. Meiner schmeckt immer mehr nach Butterkäse oder er ist ihm zu herzhaft im Geschmack.
Also , daß selbstgemachter Käse etwas anders im Geschmack ist, als gekaufter Käse , muß ja wohl so sein, denn in meine Milch kommen nur spezielle Milchsäurebakterien und Kälberlab uns sonst nichts.
Es ist genauso wie mit selbstgemachter Marmelade oder selbstgebackenem Brot; man ist stolz, es eigenhändig hergestellt zu haben und es macht Spaß.

Nachtrag :

Nun hat Doretta ihre 1. Laktationszeit voll. Diese wird über 305 Tage errechnet.

5.972 kg Milch 5,11 % Fett 305 Fkg 4,27 % Eiweiß Ekg 255

Insgesamt steht sie nun 347 Tage in Milch :
6.579 kg Milch 5,15 % Fett 339 Fkg 4,33 % Eiweiß Ekg 285

Das ist doch nicht schlecht - oder ?

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